Das Einreisebüro war eine typische Rundlehmhütte mit Strohdach. Die Einreise war problemlos, wir bekamen dann auch unser erstes Bier seit langem. Der Zoll war 30km weiter, und kostete auch nur 10 Birr (1US$) - alles easy. Uns viel sofort auf, dass hier sehr viel mehr Menschen auf der Strasse sind, und es von Bälgen nur so wimmelt. Frühmorgens gönnten wir uns einen leckern äthiopischen Kaffee, und entschieden uns dabei den Weg über das Gebirge um den Ras Dashen (höchster Berg Äth. 4620m) zu nehmen. Dies war eine gute Entscheidung, es war einfach herrlich. Schade war nur, dass die Regenzeit begann, so dass es häufig und stark regnete.
Ausser im Nationalpark, wo es ein bisschen weniger Menschen gab, schien es uns, als wäre die ganze Bevölkerung Äthiopiens auf den Strassen unterwegs. Keine 100m wo nicht irgendwer irgendwo hin läuft oder aus dem Gebüsch gesprungen kommt (...so gestaltete sich die Erledigung des "Allerheiligsten" recht schwierig). Auch war es nicht einfach ein ruhiges Plätzchen für die Nacht zu finden. Einmal haben wir uns hinter einem Hügel versteckt. Als wir gerade zum kochen anfangen wollten (es war schon fast finster), hörten wir jemanden ein Liedchen pfeifen. Selbstverständlich lief der Musikant genau auf uns zu. Vorbei war es mit der Ruhe. Der Typ war natürlich total an uns interessiert und beobachtete uns genau. Uns war es dann zu peinlich ihm etwas "vorzufressen" und so haben wir die Kochaktion verschoben. Es dauerte nicht lange da kam dann auch schon der zweite Typ an. Die Kommunikation war schwierig und wir hatten auch gerade keine grosse Lust zum Plaudern mit Händen und Füssen. Irgendwann sind wir dann pennen gegangen, am nächsten Tag waren die beiden fort.
In Adigrat fanden wir ein Hotel mit Innenhof, wo wir unsere, von den üblen Pisten arg gebeutelte Kiste checken konnten. Dabei wurde uns leider ein bereits belichteter Dia Film und ein kleines Fernglas geklaut. Bisher haben wir es ziemlich locker gesehen, wenn z.B. Kinder gerne mal in unserer Karre sitzen wollten. Wir wollten ja nicht gleich als die völlig paranoiden Ausländer gelten, die auf ihren Kram immer mit Argusaugen achten. War wohl leider nix... In Zukunft werden wir doch etwas besser aufpassen.
Natürlich wollten wir uns die Felsenkirchen von Lalibela nicht entgehen lassen. Dort regnete es zwar meist, die Kirche Beta Gyorgis hat uns aber entschädigt - wirklich beeindruckend. Hier trafen wir auch "AD" und "Ranger", die mit dem Landrover von London nach Johannesburg unterwegs waren. Wir trafen uns in Addis Ababa wieder um gemeinsam nach Kenia am Turkanasee entlang zu fahren. Von Addis waren wir echt positiv überrascht. Eine übersichtliche Stadt, recht sauber und modern. Auf dem Weg nach Dila hatte Ad und Ranger einen kleinen Verkehrsunfall, die Sache war aber schnell geregelt. Die Strecke war wunderschön, alles total grün, blühende Sträucher und romantische Hütten. Es gab Mangos, Bananen und Ananas am Wegesrand. Kurz vor Dila kamen wir im "Rift Valley Resort" unter, mit heissen Quellen - herrlich.
Bei Yavello bogen wir Richtung Westen von der Hauptroute ab. Ab hier war wieder Piste angesagt. Wir tanken nochmal voll und die nächsten 3 Tage fanden wir uns in einem Gebiet wieder, dass echtes Afrikafeeling aufkommen liess, und wo man wunderbar wild campen konnte. Wir haben auch einige Geier gesehen, die hatten allerdings Pech mit uns. Unterwegs hatten wir noch einen Platten (den 3.), dabei sah Gunter, auf dem Dach stehend, wie sich alle in Sichtweite befindlichen Menschen aufmachten uns beim Reifenwechsel zuzuschauen - man ist halt eine Attraktion. In gebührendem Abstand wird jeder Handgriff beobachtet.
Wir erledigten die Ausreiseformalitäten in Omorote und fuhren zurück zu einem kleinem Abzweig Richtung Kenia. Die Strecke, bestes Off-Road Gelände, und wir hatten eine Menge Spass.
Wir finden, dass Äthiopien eine Reise wert ist, herrliche Landschaften, und die Menschen sind nicht so schlecht, wie man des öffteren lesen kann. Da das Land im Durchschnitt auf ca. 2000m liegt, ist das Klima angenehm und es gibt kaum Mücken.
Äthiopien war eine echt positive Erfahrung.